JÜRGEN SCHUBACK

Mein perfekter Tag.
JÜRGEN SCHUBACK, BRAND CONSULTANT BEI KIRMES

Der perfekte Tag muss mit einem Kaffee beginnen. Ohne einen Kaffee am morgen kann der Tag nicht perfekt sein. Bitte gern einen Filterkaffee oder noch besser: Aus der Presskanne. Da bin ich altmodisch.
Danach raus mit dem Hund in einen diesigen Frühlingsmorgen Anfang Mai, wenn im Alten Land die Kirschen blühen. Dieser Moment, wenn die Sonne Kraft gewinnt, den Tau von den Blüten vertreibt und süße Duft der Kirschblüte die Luft erfüllt, dieser Moment ist magisch.
Danach müsste ich kurz ins Zeitreisebüro und mir im Jahr 1984 von meinem Opa seinen alten Ford Consul ausleihen. In einem furchtbaren Metallic-Grau aber mit Fließheck, Holzimitat am Armaturenbrett und Sitzen, die größer sind als die Zimmer im Motel One.
Mit der „Luxuslimousine“ wäre ich in kürzester Zeit zum Frühstück auf dem Flohmarkt in Amsterdam und würde auf der Suche nach dem richtigen Croissant der Nase folgen.
Mittags würde ich im Hotel „Les Dauphin Vertes“ in Cannes einchecken. Ein winziges Hotel mit winzigen Zimmern in der Seitenstraße einer Seitenstraße in der Altstadt – vollgestopft mit absurdem Kitsch und jede der drei Etagen mit einem anderen Motto belegt.

Der Koffer landet in der Kapitänskajüte auf der maritimen Etage und dann geht’s ein paar Dörfer weiter, irgendwo am Wasser, um einen gegrillten Wolfsbarsch mit einem leichten Weißwein zu feiern.
Mit der Fähre geht es weiter. Die Nase im warmen Wind und das beruhigende Brummen des Schiffsdiesels unter den Füßen denke ich „La Paloma“ und erreiche ich das Festivalgelände. Übernachtet wird im VW Bus T3 mit Allradantrieb. Eine kleine Küche mit zwei Gasflammen ist an Bord und zum Abendessen gibt es gebratene Grützwurst vom Schlachter Röhrs in Jork. Die rote mit Rosinen. Dazu ein frisches Apfelmus aus Holsteiner Cox und ein erfrischendes kaltes Bier, bevor ich mich auf den Weg zur Bühne mache.
Dort suche ich mir im sanften Abendlicht einen Platz in der Nähe des FOH und Placebo spielen die Sonne unter den Horizont. Nach einer halben Stunde Umbau hypnotisieren Faithless die Menge und die Welt wird gezoomt: Nur noch Bühne und der Open-Air Sound mit dem kaum wahrnehmbaren Echo vom Wald am Rande des Festivalgeländes.
Wieder mal werde ich die Kreativität von Künstlern bewundern. Wie schaffen sie es, Melodien in ihrem Kopf zu haben, die es vorher noch nicht gab? Das Rätsel wird ungelöst bleiben.
Die Fenster im VW Bus bleiben heute Nacht offen. Irgendwo da draußen feiern noch Menschen. Ich freue mich auf den Kaffee morgen früh.

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