Helga Preissing

MEIN PERFEKTER TAG.
HELGA PREISSING, TEAM ASSISTANT BEI KIRMES

…fängt im Sonnenaufgang auf der Insel Sylt an. In einem kleinen reetgedeckten Häuschen, direkt an der Küste. Aufwachen zum Duft von frisch gebrühtem Kaffee und dem sanften Rauschen der auf dem Strand auslaufenden Wellen. Eingewickelt im kuscheligen Morgenmantel geht’s über die vom Morgentau bedeckte Wiese durch den kleinen Garten direkt zum Strandkorb am Meer. Fußläufig, versteht sich. Mit dem Blick auf die Wellen und einer leichten Meeresbrise nehme ich den ersten Schluck Kaffee, bevor ich einen Blick in die Zeitung werfe. Und an so einem Tag: Nur gute Nachrichten.

Zum Frühstück sitze ich im Westen von Los Angeles im kleinen Garten des Beverly Hills Hotels, umgeben von wunderschönen Blumen und Blüten, und bin, wie bei meinem ersten und bisher einzigen Besuch hier, schlichtweg überwältigt.
Es gibt Rührei. Wie in meiner Kindheit, mit Gartenkräutern und frischen Eiern vom Hof meines Großvaters aus Rom. Danach ein Croissant und dazu den besten Cappucino, den ich jemals getrunken habe.

Anschließend gut gestärkt ein wenig shoppen. Mit einer Freundin. Und mit Chauffeur vielleicht. Das durfte ich bisher nur einmal erleben und das war einfach nur toll. Die schicken Geschäfte besuchen. Vielleicht auf dem Rodeo Drive. Und Kleider finden, die auf Anhieb passen. Schuhe, alle in der richtigen Größe und natürlich immer die passende Tasche dazu. Ja, so geht’s.

So schön der ganze Luxus auch ist, würde ich mich nach dem ausgiebigen Einkaufstripp zum Mittagessen weit weg von dem pulsierenden Los Angeles mit meinen Freunden und der Familie treffen. Zurück zu den Wurzeln. Mit einem kleinen Hausboot über die Mecklenburger Seenplatte schippern. Ein altgedienter Kahn mit einem großen Holztisch in der Mitte. Auf dem Tisch: hausgemachtes Sauerfleisch mit Bratkartoffeln, frischer Kartoffelsalat, knuspriges Brot aus dem Holzofen. Dazu ein Glas Riesling und Gespräche über die gute alte Zeit. Einfach schön.
Und dann, frisch aus dem Ofen, in ein weißes gestärktes Tischtuch gewickelt: Der Streuselkuchen!
Der beste der Welt. Von meiner Mutter.
Wie auch immer sie es angestellt hat, wird mir ewig ein Geheimnis bleiben. Kein Rezept. Offenes Fenster, Durchzug und Hefe, Mehl, Milch… oder was eben zur Hand war, rein in die Rührschüssel und los ging es. Nach 90 Minuten gab´s ofenfrisch einen Kuchen, der jeden noch so versierten Konditor oder Patissier in den Schatten stellt.

Nach einem kleinen Mittagsschlaf geht’s auf die Piste. In den Kitzbüheler Alpen bei Kaiserwetter noch einmal mit leichten Schwüngen durch den Neuschnee fahren. Gemeinsam mit den Liebsten. Den Fahrtwind im Gesicht spüren und den Duft von frischem Schnee in der Nase. Bis das Alpenpanorama in ein helles Rot eintaucht geht´s die Piste hinunter, vorbei an Wäldern und kleinen Almen. Bergrücken an Bergrücken, der untergehenden Sonne entgegen. Wunderschön.

Nach dem Skifahren muss nach einer heißen Dusche und einem kurzen Saunabesuch noch Kultur her. Also Abendgarderobe anlegen und zu Fuß zum Konzerthaus. Selbstverständlich auf hohen Absätzen und kein Kopfsteinpflaster, keine Unebenheit auf dem Weg macht mir hier zu schaffen. Beschwingt wie in der Jugend. Es sind nur etwa 10 Minuten zwischen dem Taschenbergpalais und der Dresdner Semperoper. Ein Katzensprung.
Leider habe ich bis heute noch nie ein Konzert in diesem historischen Haus verfolgen dürfen, versuche aber seit jeher, mir diesen Traum zu erfüllen.
Anne-Sophie Mutter spielt Mendelssohn mit den Wiener Philharmonikern. Herbert von Karajan am Pult. Unglaublich schön. Jeden Moment aufsaugen und die vielen Details bewundern. Vielleicht von einer Loge aus. Der Musik lauschen, die Klänge wirken lassen. Das Zusammenspiel des Orchesters fasziniert mich immer wieder und in dieser Umgebung muss das einfach wunderbar sein.
Nach der achten oder neunten Zugabe zurück ins Hotel und zu Mitternacht mit einem Glas Champagner den Abend Revue passieren lassen. Einen eisgekühlten Ruinart „Blanc de Blanc“, so wie in dem kleinen Gasthaus in Knocke-Heist.
Und dann glücklich und zufrieden in das weiche, übergroße Bett fallen und den Tag im Traum nochmals erleben. Das wäre für mich perfekt.

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